Dienstag, 26. Mai 2015

Kaninchen mit Honig, Feigen und Orangen nach Apicius 8.9.6

An diesem Feiertag machten meine Familie und ich uns auf zu ganz neuen kulinarischen Reisen, in unerforschte Gebiete der unendlichen Weite der Antike.
Inspiriert durch eine Reportage namens : Geschichte aus dem Kochtopf ( frei in Youtube zu sehen )
die in der ersten Folge die Kochkunst der römischen Antike schildert, vornehmlich den bekannten ersten Meisterkoch Apicius suchte ich im Internet nach dessen Kochbuch, eine bibelähnliches Lebenswerk namens  " De re coquinaria" ( " über die Kochkunst " ) und wurde hier schnell fündig.
Die Rezepte lesen sich oftmals  auf den ersten Blich für unseren heutigen Geschmack wirklich absonderlich, aber durchaus bei näherer Überlegung sehr ausgereift und durchaus plausibel.
In der Reportage wurde Kaninchen gezeigt, und da bei uns derzeit viel Kaninchen erhältlich ist, warum nicht den Versuch wagen?
*vorsicht Spoiler* 
Das Ergebnis war gigantisch! :-)


Das Originalrezept, übersetzt aus dem Lateinischen lautet:
 6. Anderer Hase im eigenen Saft: Bereite den Hasen vor, entbeine und dressiere ihn und gib ihn in einen Topf, gib dazu Öl, Liquamen, Brühe, ein Bündchen Lauch, Koriander und Dille. Während er kocht, gib in einen Mörser Pfeffer, Liebstöckel, Kümmel, Koriandersamen, Laserwurzel, getrocknete Zwiebel, Minze, Raute und Selleriesamen und zermahle es, giesse Liquamen und gib Honig und vom eigenen Saft dazu und schmecke mit  und Essig ab. Lass es aufkochen. Wenn es aufgekocht ist, binde mit Stärkemehl. Garniere ihn, giesse die Sauce darüber, streue Pfeffer darüber und serviere.


Ich habe mich, natürlich ein wenig freie Interpretation berücksichtigend, ziemlich genau danach gerichtet. Das erwähnte Liquamen ist an sich vergleichbar mit der Thailändischen " Nam Plah" ( Fischsauce) die, aus vergorenen Fischen in Lake hergestellt, als Salz Ersatz dient.
( oben im Bild )


 Als Erstes zerteile ich das Kaninchen, würze es mit Pfeffer aus der Mühle und brate es in Olivenöl, zusammen mit Knoblauch und Thymian leicht an.


Während des Bratvorgangs zerstosse ich im Mörser Koriander,


gebe Honig und Fischsauce hinzu,


zur Verflüssigung noch etwas Sherry ( als Ersatz für Defritum = Süßmost, Portwein oder süßer Wein wären auch eine mögliche Alternative)
und verrühre alles gründlich.


Mit dieser Mischung und zusätzlich etwas mehr Olivenöl übergieße ich das Kaninchen, das ich mit Orangenfilets und Feigen gefüllt und  auf einem Bett aus Karotten, Lauchzwiebeln, Liebstöckel , Dill, Minze und Thymian nun dem Ofen überlasse. ( 230 Grad etwa 1 Stunde lang )
Ab und an gebe ich noch etwas Sherry und auch Geflügelbrühe ( sorry, es war ein Brühwürfel, mea Culpa ) hinzu, aber Apicius spricht ja auch von Brühe *gg*




Ich serviere das Kaninchen auf Blattspinat mit Kichererbsen, die im römischen Reich da sie sättigend und eiweißreich sind, sehr beliebt waren . Faszinierender Weise ist es nicht nötig die Sauce abzubinden da sie durch die Feigen und Orangen bereits eine sirupartige Konsistenz angenommen hat, ohne aber zu süß zu schmecken.




Ich darf sagen: obwohl die Rezepte des Apicius uns teilweise seltsam erscheinen mögen-
jede Komponente ist genau durchdacht und hat Ihren Sinn.
Eine ganz neuer Horizont eröffnet sich hier, das Essen ist durch die sorgfältig aufeinander abgestimmten Gewürze und das Fehlen von Sahne oder Butter erstaunlich leicht und gesund , der Geschmack definitiv anders als gewohnt-  aber dies in absolut positiver Weise !
Meine Eltern jedenfalls ( die Food- Test Crew, hihihi )
waren wirklich hingerissen.


Ich jedenfalls habe Feuer gefangen, und meine Fastzination für diesen genialen Meisterkoch wird sicherlich noch zu weiteren interessanten und spannenden Exkursionen die die Antike Römische Küche führen.

Auch meine geliebte Lucy ( mein zweites Ich ) hatte einen schönen Tag heute, im wundervollen Garten meiner Eltern, beim Verspeisen der Kaninchen Reste und beim anschließenden Gassigang im Wald.


Seht Euch diese Blütenpracht an! Ist das nicht traumhaft ?
Vielen Dank dafür an meine Mami, die den Garten täglich mit großer Hingabe pflegt.